Anorexia nervosa (Magersucht)

DEFINITION & ABGRENZUNG

Der Übergang von einer "normalen" Diät zur Magersucht ist oft fließend.

Der Begriff "Anorexia nervosa"
ist im Grunde eine Fehlbezeichnung für die Krankheit. Jedoch hat sich dieser Begriff allgemein eingebürgert. "Anorexia" stammt aus dem neulateinischen und bedeutet Appetitlosigkeit. Obwohl die Nahrungsaufnahme erheblich eingeschränkt wird, liegt die Ursache der Magersucht nicht in mangelndem Appetit. Im Gegenteil, Magersüchtige verspüren meist einen sehr großen Appetit, verleugnen diesen aber.

 

Magersucht ist eine psychosomatische Krankheit.


Die Psychosomatik mißt psychischen Prozessen bei der Entstehung körperlicher Leiden eine wesentliche Bedeutung bei. Magersucht beruht demnach auf psychisch-körperlichen Wechselwirkungen. Sie zeichnet sich durch eine extreme Gewichtsabnahme bzw. halten eines extrem niedrigen Gewichtes aus, begleitet von der Befürchtung, dick zu werden. Das niedrige Gewicht wird durch ungewöhnliche Eß- und Gewichtsregulationsverhalten und Verweigerung der Nahrungsaufnahme erreicht.

Risikogruppen

Magersucht tritt bevorzugt in der Mittel- und Oberschicht bei Mädchen in der Pubertät auf. Magersüchtige besitzen oftmals Abgrenzung von Magersucht gegenüber Bulimie (Eß- Brechsucht)
Frauen in der Altersspanne vom 15. bis zum 25. Lebensjahr, gelten als Risikogruppe für Magersucht. Ca. 1% dieses Alterssegments ist an Magersucht erkrankt. Nur etwa 5% der Erkrankten sind Männer. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung tritt Magersucht relativ selten auf, allerdings seit den siebziger Jahren mit steigender Tendenz.Wenn der Gewichtsverlust nicht ausschließlich durch Einschränkung der Nahrungsaufnahme oder durch striktes Fasten, sondern mit Hilfe selbstinduziertem Erbrechen oder durch Mißbrauch von Abführmitteln herbeigeführt wird. Beide Formen der Eßstörung treten zum Teil in Kombination, zum Teil nacheinander auf und neigen zu chronischen Verläufen.

Diät und Magersucht

Fast jede Frau hat schon einmal eine Diät gemacht. Durch das in den Medien propagierte übertriebene Schlankheitsideal fangen immer mehr junge Mädchen an, extrem auf ihr Gewicht zu achten. Anfänglich unterscheiden sich die Verhaltensweisen der an Magersucht Erkrankten nicht von denen, die eine Schlankheitskur machen. Der Unterschied wird allerdings sichtbar, wenn das zu Beginn der Diät erwünschte Gewicht erreicht ist. Spätestens dann beenden Menschen mit gesunder Körperwahrnehmung ihre Fastenkuren und kehren zu ihren normalen Eßgewohnheiten zurück. Magersüchtige hungern jedoch weiter, auch wenn sie ihr zuvor angestrebtes Zielgewicht längst unterschritten haben. Sie finden ein immer niedrigeres Wunschgewicht. Ist dies erreicht, verschiebt es sich wieder weiter nach unten. Sie hungern auch dann weiter, wenn ihr Gewicht bereits gesundheitsschädliche und bedrohliche Ausmaße angenommen hat.

Diagnosekriterien - Indikatoren für Magersucht

Die hier aufgeführten Merkmale sind Hinweise für eine Erkrankung.
Eine vollständige Diagnose kann nur von einem Arzt gestellt werden.

Diagnosekriterien:


• Körpergewicht von min. 15% unterhalb des Normal- bzw. des in der Wachstumsphase zu erwartenden Gewichts.
• Body-Mass-Index (BMI) bei oder unter 17,5
• Selbstherbeigeführte Gewichtsreduktion durch:
     - Eingeschränkte und extrem kontrollierte Nahrungsaufnahme
     - Vermeidung hochkalorischer Speisen
     - Übertriebene körperliche Aktivität (Hyperaktivität)
     - Selbstinduziertes Erbrechen oder Mißbrauch von Abführmitteln
• Ständiges Kreisen der Gedanken um Nahrung und Gewicht
• Starke Angst vor Gewichtszunahme
• Fehlen von Krankheitseinsicht

Im Gegensatz zu Erwachsenen gilt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre nicht der BMI, da Kinder und Jugendliche noch im Wachstum sind. Hier werden Perzentilen, sogenannte Wachstums- und Gewichtskurven verwendet, in die Alter, Gewicht und Körpergröße einfließen. Im Einzelfall sollte die Perzentile eines Kindes bei einem Arzt bestimmt und besprochen werden.

 

Körperschemastörung - Verzerrte Körperwahrnehmung

Das Körperbild Magersüchtiger ist verzerrt. Sie erkennen die extreme und lebensbedrohliche Abmagerung ihres Körpers nicht. Besonders einzelne Körperteile, wie Oberschenkel, Bauch oder Hüften stehen im Blickpunkt der Betroffenen. Obwohl objektiv beurteilt diese Partien normal oder schon zu dünn sind, empfinden die Betroffenen sich meist zu dick oder beschreiben ihren ausgemergelten Körper als Ideal. Die Waage stellt eine wichtige Kontrollinstanz dar. Täglich prüfen Magersüchtige, ob das bestimmte Ziel, noch mehr abzunehmen, erreicht wurde. Die Methoden zur Gewichtsreduktion werden immer verhängnisvoller. Alle Nahrungsmittel werden eingeteilt in "erlaubt" oder "verboten".

Das Hungergefühl wird gegenüber der Umwelt geleugnet

Dieses Gefühl wird meist so stark, daß die Gedanken nur noch um das Thema Essen kreisen. Viele Betroffene versuchen dieses Hungergefühl zu vertreiben, indem sie für ihre Familie Essen zubereiten. Bei 60% der Magersüchtigen wird dieses Hungergefühl irgendwann so überwältigend, daß sie das strikte Hungern durchbrechen müssen und mehr essen, als sie sich selbst erlauben. Dies artet dann in Heißhungerattacken aus und die Magersucht kann sich zur Bulimie umwandeln.

Hyperaktivität

Neben der Kalorienreduktion besteht häufig ein übertriebener Bewegungsdrang mit dem Ziel abzunehmen, der durch Schwimmen, Jogging, Aerobic oder Gymnastik befriedigt wird. Dies nimmt oft mehrere Stunden pro Tag in Anspruch. Jede Ruhepause wird vermieden und der Schlaf auf ein Minimum reduziert. Das Verhalten von Magersüchtigen wird häufig als zwanghaft beschrieben. Magersüchtige versuchen die Leistungen des Vortages zu übertreffen oder zumindest an diese anzuknüpfen.

Einstellung zum Leistungsbereich

Magersüchtige sind häufig sehr leistungsorientiert und -motiviert. Sie sind in aller Regel normal bis überdurchschnittlich begabte Jugendliche mit guten Noten in der Schule. Sie verfügen auch oft über einen ausgeprägten Ordnungssinn, besondere Sauberkeit und einem gesteigerten Pflicht- und Verantwortungsbewußtsein gegenüber Eltern und Geschwistern.

BERECHNUNG DES BODY-MASS-INDEX (BMI)

Der Body-Mass-Index ist eine gängige und objektive Methode zur Ermittlung des Normalgewichts bei Erwachsenen.

Im Bevölkerungsdurchschnitt gilt ein BMI von 20 bis 25 als Normalwert.
Mit einem BMI unter 20 gehörst Du in den Bereich "Untergewicht".

Definitionsgemäß beginnt die Anorexia nervosa bei einem BMI von unter 17,5.
Eine alleinige Diagnose über den BMI reicht NICHT aus!

 

URSACHEN DER MAGERSUCHT

In der Literatur existieren unterschiedliche Erklärungsmodelle zur Erklärung der Ursachen von Magersucht. Es gibt keinen universellen Ansatz. Nachfolgend werden vorerst drei allgemein akzeptierte Ansätze aufgeführt.

 

Familiendynamisches Erklärungsmodell


Die Familiendynamik betrachtet das System Familie als Ganzes und untersucht die Interaktionen zwischen den Familienmitgliedern. Die Magersüchtigen werden nicht isoliert betrachtet, sondern im Familienkontext, z. B. die Beziehung zu Eltern und Geschwistern.

Magersucht tritt häufig in Familien mit starken Bindungen auf, in denen ein großes Harmoniebestreben herrscht. In diesem Familiensystem haben Magersüchtige als Symptomträger eine wichtige Funktion. Die Krankheit kann zur Aufrechterhaltung des Familienzusammenhaltes sowie der Ableitung von Spannungen und Konflikten dienen. Die Anforderungen an die Familienmitglieder sind in solchen Bindungsfamilien sind in der Regel sehr hoch.

Intrapsychische und intrapersonelle Selbstbehauptung


Aufgrund einer "Überangepaßtheit" in der Kindheit entwickeln einige Magersüchtige später ein Ohnmachtsgefühl gegenüber dem eigenen Körper. Häufig können Magersüchtige nur über die Kontrolle des eigenen Körpers und der Überwindung der Hungergefühle sich erleben. Aus diesem Grund gewinnt die Beschäftigung mit dem Körpergewicht an enormer Bedeutung.

Psychoanalytische - Triebtheoretische Erklärung


Dieses Modell versteht die Magersucht als eine Form der Abwehr sexueller Wünsche und als die Möglichkeit, psychosexuelle Entwicklungskrisen in der Pupertät zu beenden, um damit in die scheinbar heile Kinderwelt zurückzukehren.

Anzeichen dafür sind, daß der Körper um seine sekundären Geschlechtsmerkmale beraubt wird. So wird die sexuelle Signalwirkung des Körpers reduziert. Ebenso bestätigt das Ausbleiben der Monatsblutung die oben genannte These. Sexuelle Regungen werden bei Magersüchtigen häufig nicht oder angstbesetzt wahrgenommen.

DIE FOLGEN DER SUCHT

Medizinische Komplikationen und Folgeschäden bei Magersucht.
Neben den ursächlichen psychischen Problemen können als Folge des veränderten Essverhaltens und der Gewichtsabnahme auch erhebliche körperliche Beschwerden entstehen.

Körperliche Schädigungen


Fasten, Erbrechen und der Gebrauch von harntreibenden Medikamenten (Diuretika) oder Abführmitteln (Laxantien) können zu einem Mangel an lebensnotwendigen Elektrolyten wie z.B. Kochsalz, Magnesium oder Kalium führen.

Gleichzeitg kommt es oft zu Verschiebungen des Säuregehaltes im Blut. Die Möglichkeiten der gesunden Niere und anderer Organe, die Elektrolytkonzentration und den Säure-Basen-Haushalt des Blutes stabil zu regulieren und auftretende Schwankungen auszugleichen werden häufig stark überfordert. Oft entsteht dann eine Kombination aus Kaliummangel und Säuremangel, die zu schweren Herzrhythmusstörungen und anderen EKG-Veränderungen führen kann. Weiterhin kommt es zu Verkrampfungen und einer schnellen Ermüdbarkeit der Muskulatur.

Eine andere wichtige Funktion der Niere ist die Ausscheidung von Abbauprodukten über den Urin, die beispielsweise im Stoffwechsel bei der Verdauung von eiweißreicher Nahrung entstehen.
Langandauernde Elektrolytstörungen schädigen das Nierengewebe. Mit der Zeit kommt es dann zu einer zunehmenden Beeinträchtigung der Nierenfunktion. Wassereinlagerungen im Gewebe sind meist die Folge einer Reaktion der Niere, mit der ein weitergehender Elektrolytmangel kompensiert werden soll.

In Verbindung mit einer zu geringen Flüssigkeitsaufnahme kann schließlich der Harnsäurespiegel ansteigen und so ebenfalls zu Nierenstörungen führen, wie sie sonst nur von der Gichterkrankung bekannt sind.

Langjähriger Kaliummangel kann die Nierenfunktion dauerhaft schädigen! Das Nierengewebe schrumpft, die Niere wird kleiner und es kommt zu einer sogenannten chronischen Niereninsuffizienz. Bei Niereninsuffiziens können Ödeme dann auch infolge eines Eiweißmangels entstehen (sog. Hungerödeme).

Durchblutungsstörungen mit Kältegefühlen an den Händen und Füßen sind häufig eine Folge. In extremen Fällen kann es sogar zu Erfrierungen kommen.

Veränderungen der Sexualhormone treten schon nach einer Gewichtsabnahme von wenigen Kilogramm ein und können zu Unregelmäßigkeiten des Zyklus und zu einer Einschränkung der Fruchtbarkeit führen (unerfüllter Kinderwunsch). Schätzungsweise 80% der Magersüchtigen, die ihre Essstörung erfolgreich überwinden, werden wieder empfängnisfähig.

Bei auftretenden Heisshungeranfällen mit anschliessendem Erbrechen kann es zu Sodbrennen und Entzündungen der Speiseröhre aufgrund der zurückfließenden Magensäure kommen. Dies kann in einigen Fällen zu einem Geschwür führen. Durch ein solches Geschwür sind Blutungen oder Wanddurchbrüchen möglich, welches lebensbedrohliche Komplikationen nach sich ziehen kann.

Besonders schwerwiegend ist der Vitamin-D-Mangel. In Verbindung mit Nierenfunktionsstörungen, veränderten Sexualhormonen und einem Calcium- oder Phosphatdefizit führt der Mangel an Vitamin D zu schwerwiegenden Störungen des Knochenstoffwechsels. Die Mineralisation der Knochengrundsubstanz wird unzureichend. Es kommt zu einer Knochenerweichung (Osteomalazie) und zu einer Verminderung der Knochengrundsubstanz (Osteoporose). Als Folge können Knochenbrüche schon nach minimalen Stürtzen auftreten.

Andere Umbauprozesse der Knochen mit Auftreibungen und Verbreitungen an den Endgliedern der Finder oder Zehen führen manchmal zu sogenannten Trommelschlegelfingern oder -zehen.

Psychische Folgen


Veränderungen des Eiweißstoffwechsels können bei kohlenhydratarmer Ernährung möglicherweise die Übertragung zwischen den Nervenzellen im Gehirn und somit die Stimmung verändern. Mit zunehmender Depression verliert man immer mehr Lebensfreude und Interesse an der Umwelt. Dies führt zu einem Teufelskreis.
Gleichzeitig nimmt die Konzentrationsfähigkeit ebenso wie die allgemeine Leistungsfähigkeit und auch das Interesse an der Sexualität ab.

Abführmittel & Co.

Der Gebrauch/Missbrauch von Abführmittel und Entwässerungsmedikamenten hinterlässt schwere körperliche Schäden.

Der dauerhafte Gebrauch von Abführmitteln verbessert die Verdauung nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Über den Darm werden vermehrt Kalium und Flüssigkeit verloren, was in Verbindung mit ballaststoffarmer Ernährung eine Verringerung der Darmbewegung bewirkt. Eine zunehmende Verstopfunge ist die Folge.

Neben akut auftretenden Krämpfen und Übelkeit entsteht ein sehr gefährlicher Kaliummangel. Dieser schädigt den Körper nachhaltig. Kaliummangel entsteht langsam und vorerst ohne große Symptome. Daher wird er häufig erst spät erkannt. Auch die Zufuhr von ausreichend Kalium kann diese Schäden nicht ausgleichen.

Kaliummangel und sein Einfluss auf ...

die Nerven der Muskulatur:
Muskelschwäche, Müdigkeit und Schlappheit

den Blutkreislauf:
niedriger Blutdruck,Steigerung der Herzätigkeit , Herzrythmusstörungen

die Verdauung:
Verdauungsprobleme, Darmträgheit

die Harnwege:
Blasenlähmung, Neigung zu Entzündungen

den gesamten Körper:
Salzverlust, Hautentzündungen, Allergien, Leberstörungen, Lungenentzündung, Mundtrockenheit und Sehstörungen

 

Medikamente dieser Art haben immer einen negativen Einfluss auf den Körper. Vor allem wenn dieser ohnehin schon geschwächt ist.

Man nimmt durch Abführmittel und Entwässerungsmedikamente NICHT ab. Entwässerungsmittel haben überhaupt keinen Einfluß auf Kalorien und Körperfett.

DIE KRANKHEIT MAGERSUCHT IN ZAHLEN

Etwa 5 Millionen Frauen und Männer in Deutschland leiden an Essstörungen, davon haben 3,7 Millionen gefährliches Untergewicht.

100 000 Menschen, insbesondere Frauen leiden demnach an Magersucht.
600 000 Frauen und Männer haben Bulimie. Die Zahl der Magersüchtigen verdreifachte sich in den letzten zehn Jahren.

Krankheit und Heilung

• 30% der Magersüchtigen sind chronisch krank
• 30% der Magersüchtigen sind nach einer Behandlung geheilt
• 30% der Magersüchtigen erfahren eine Spontanheilung
• 10% aller Magersüchtigen sterben an ihrer Magersucht

Diäterfahrungen

• 25% aller 7-10-jährigen Mädchen haben schon eine Diät gemacht
• 11% aller 11-15-jährigen Jungen haben schon eine Diät gemacht
• 95% aller Diäten funktionieren nicht.

Schönheitsideal oder Schlankheitswahn?

• 8% der 6-17-jährigen Jungen und Mädchen wiegen zu wenig
• 50% aller Mädchen unter 15 Jahren halten sich zu dick, bei Normal- oder Untergewicht.
• 90% der weiblichen Teenager wollen abnehmen.
• 66% aller 11-19-jährigen Jungen und Mädchen möchten dünner sein
• 73% der Frauen finden ein Gewicht unterhalb des Normalgewichts am attraktivsten.

Essstörungen bei Männern

"Schöner neuer Mann..?!" - Ein Bericht von Johannes Feil

Essstörungen kein reines Frauenphänomen
Auch heute noch werden Essstörungen immer noch fast nur Frauen zugeschrieben, obwohl Störungen, wie Anorexie und Bulimie in erschreckendem Masse auch immer mehr bei Männern auftreten.

Jeder Zehnte an Essstörungen erkrankte Mensch ist heutzutage ein Mann. Die Ursachen hierfür sind bei ihnen sehr ähnlich, wie bei Frauen.

Auslöser

Mögliche Auslöser sind Training für Leistungssport, Ängste bezüglich der Sexualität, Probleme mit dem Erwachsenwerden aber auch die Orientierung an übertriebenen Schönheitsidealen, die das eigene Erscheinungsbild als unakzeptabel erscheinen lassen. Hieraus entsteht auch bei diesen Männern der Wunsch einen perfekten Körper zu haben.

Die Ausgangssituation der Männer und Frauen am Anfang der Essstörung jedoch ist sehr verschieden. Wohingegen Mädchen zum Beginn der Pubertät weibliche Formen bekommen und diese oft als "dick werden" empfinden nehmen sich Jungen, die in die Pubertät kommen heutzutage sehr oft als zu schwächlich wahr. Dementsprechend versuchen junge Männer eher Muskeln aufzubauen und junge Frauen "Kurven" loszuwerden. Diese Selbstwahrnehmung wird bei Männern als Adonis-Komplex bezeichnet, welcher ein ständiges zwanghaftes Streben nach dem Idealkörper bezeichnet. Männer reagieren mit übertriebenem Sport auf ihr als mangelhaft wahrgenommenes Aussehen und helfen diesem auch mit gefährlichen Praktiken, wie Entwässern oder der Einnahme von Steroide nach.

 

 

Homosexualität


Gerade homosexuelle Männer leiden in höherem Masse an Essstörungen, als heterosexuelle Männer. Dies ergab eine Untersuchung, bei der ermittelt wurde, dass 53% der an Essstörungen leidenden Männer homosexuell sind. Eine Erklärung für diese Tatsache könnte sein, dass die Homosexualität bei diesen jungen Männern mehr potential für Konflikte mit dem eigenen Sein und dem Körper bietet.

 

Die neue Rolle des Mannes in der Gesellschaft


Eine weitere Ursache ist die unsichere Position des modernen Mannes in der heutigen Gesellschaft. Neben anderen Umweltveränderungen sehen sie die traditionelle Rolle des Mannes in der Gesellschaft durch die Emanzipation der Frau in Frage gestellt. Gerade junge Männer sind in ihrem Selbstbewusstsein verunsichert und greifen aus diesem Grunde klassische Frauenmuster auf. Der Mann ist körperorientiert und klinkt sich aus der traditionellen Rolle aus. Hierdurch wird er aber empfänglicher für Bilder, die ihm mittels Werbung und Magazinen suggeriert werden. Seit dem Aufkommen moderner Lifestyle-Magazine für Männer, die unerreichbare körperliche Ideale für Männer abbilden, kann ein Anstieg der Essstörungen festgestellt werden.

 

Das Diagnostizieren der Essstörung bei Männern


Ein großes Problem für betroffene Männer ist, dass sie es nicht gewohnt sind ihre Schwächen zu thematisieren und sich auch professionelle Hilfe zu holen. Gerade Essstörungen werden wie anfangs erwähnt immer noch als "weibliches Phänomen" angesehen und dies macht es den verunsicherten Männern noch schwerer sich damit zu identifizieren und etwas dagegen zu tun.

Aber nicht nur ihnen bereitet diese Ansicht Schwierigkeiten, sondern auch Ärzte verbinden Essstörungen immer noch mit Frauen und sehen die Essstörungen bei Männern demnach erst wenn sie eine starke Ausprägung hat. Dies macht die Therapie natürlich umso schwieriger.

 

Therapie


Die Therapieformen für Männer unterscheiden sich nicht von denen bei Frauen. Jedoch gestaltet sich die Therapie allein unter Männern besser, als unter Frauen. Auch in Kliniken werden inzwischen explizit Männergruppen angeboten.

TIPPS FÜR ELTERN VON BETROFFENEN

Hier findest Du hilfreiche Tipps im Umgang mit Betroffenen.

Führe offene Gespräche mit Deinem Kind.

Wenn Du Dein Kind auf eine vermutete Essstörung hin ansprichst, kann dieses mit Angst oder Unmut reagieren oder alles abstreiten. Lasse Dich nicht in die Verleugnungsstrategien der Betroffenen mit hineinziehen aber beharre dann nicht auf dem Thema. Bagatellisiere die Krankheit nicht, aber dramatisiere sie auch nicht. Respektiere einen möglicherweise vorübergehenden Kontaktabbruch. Achte darauf, ob Du für ein Gespräch mit Deinem Kind wirklich körperlich und seelisch in der Lage bist. Sage, was Du fühlst und denkst. Spreche über Deine Befürchtungen und Deine Ängste. Zeige Deinem Kind, dass Du es lieb hast. Vermeide es, Vorwürfe und Schuldzuweisungen zu machen. Signalisiere, daß Du Dir auch Hilfe holen wirst.

Reflektiere die Rolle Eurer Familie.

Mache Dich frei von dem Gedanken, dass Dein Kind nur an Gewicht zulegen muss, um wieder gesund zu werden. Magersüchtige sind zwar die Symptomträger, jedoch hat der Rest der Familie aber auch durchaus etwas mit der Entstehung und Aufrechterhaltung des Symptoms zu tun. Dies wird eine Chance für alle sein, die Beziehungen untereinander neu und befriedigender zu gestalten. Achte darauf, dass die Familienmitglieder in Zukunft miteinander und NICHT übereinander sprechen. Wenn der Vater nach der Befindlichkeit des Kindes fragt, dann verweise ihn an Dein Kind. Er soll es selbst ansprechen. Fühle Dich nicht mehr alleine verantwortlich dafür, daß es allen gut geht. Reflektiere die Rolle Eurer Familie und mache Dir klar, dass Du zwar an der Krankheit beteiligt bist, aber nicht alleine schuld bist. Suche professionelle Hilfe zur Ursachenklärung auf. Du bist kein Therapeut und kannst diese Rolle auch nicht übernehmen.

Erkenne ein lebensbedrohliches Untergewicht.

In der Regel dauert es sehr lange, bis dieses vorliegt. Wenn die 40-Kilo-Grenze jedoch unterschritten wird, können die körperlichen Folgeschäden bedrohlich werden. Dringe klar und deutlich auf regelmässige Arztbesuche. Mische Dich jedoch nicht in die Behandlung ein und zerstöre damit nicht das Vertrauenverhältnis zwischen behandelndem Arzt und Betroffenen.

Der Umgang mit dem gemeinsamen Essen und der Küche.

Iss getrennt von Deinem Kind, wenn die Situation für Dich unerträglich wird und Du selbst nicht mehr entspannt essen kannst. Verbiete ihm sich ständig in der Küche aufzuhalten und für andere zu kochen. Der Aufenthalt in der Küche und das Kochen stellen häufig einen Ersatz für die verweigerte Nahrungsaufnahme dar. Erkläre Deine Vorgehensweise deutlich und handle dann aber auch konsequent.

Vergiss nicht Deine eigene Befindlichkeit und Deine Vorbildfunktion

Die Krankheit Deines Kindes darf NICHT der Maßstab Deiner eigenen Befindlichkeit werden. Dir darf es trotzdem gut gehen, auch wenn es Deinem Kind schlecht geht. Du hilfst damit niemandem, wenn Du mitleidest und auch krank wirst. Tue etwas für Dich. Schaffe Dir Freiräume in denen Du auftanken kannst. Es wird schwierig sein, jetzt in der Situation Dein Kind loszulassen, aber nur so kannst Du ihm helfen. Magersüchtige sind sehr stark und mächtig. Zum Hungern gehört eine große Disziplin und Beherrschung. Die Schwäche Deines Kindes liegt darin, da§ es nicht zuläßt, sich etwas Gutes zu tun, sich nichts zu gönnen und damit die eigenen Bedürfnisse zu leugnen. Sei daher ein Modell für Dein Kind. Zeige beispielhaft, daß auch Du bedürftig bist und Menschen brauchst. Zeige, daß Du nicht perfekt bist und Unterstützung annehmen kannst.

TIPPS FÜR FREUNDE & KOLLEGEN

Hier findest Du hilfreiche Tipps im Umgang mit Betroffenen.

Isolation

Häufig isolieren sich Magersüchtige im Verlauf ihrer Erkrankung von Ihren Freunden. Sie ziehen sich zurück und erfinden Ausreden, Verabredungen nicht wahrzunehmen. Sie sind häufig damit beschäftigt z.B. für die Schule zu lernen, und sind trotz bester Leistungen nie mit sich zufrieden. Sie vermeiden es, mit anderen zu essen fühlen sich aber schnell ausgeschlossen, wenn z.B. die Clique zusammen essen geht.
Versuche den Kontakt nicht abbrechen zu lassen, auch wenn es manchmal nicht einfach ist, den Kontakt zu halten. Opfere Dich aber nicht auf.

Informationen einholen

Thematisiere Deine Wahrnehmungen und den Verdacht der Magersucht. Informiere Dich über Hilfsangebote und gib diese Informationen weiter.

Besorgnis aussprechen

Suche gemeinsame Gesprächsthemen, die nicht mit Essen und Figur zu tun haben. Sage Deiner Freundin / Deinem Freund, was Dir an Ihr/Ihm gefällt. Sprich über die von Dir wahrgenommenen Rückzugstendenzen und Deine Besorgnis darüber.

Klinikaufenthalt

Halte auch bei einem längeren Klinikaufenthalt mit der/dem Betroffenen Kontakt. Es ist für sie/ihn sehr wichtig, bei der Rückkehr aus der Klinik Gesprächspartner zu haben.

http://www.magersucht.de

 

Gefährliches Gemeinschaftsgefühl:

Pro Ana

Was ist „Pro Ana“?

Die Bewegung „Pro Ana“ entstand in den USA und ist ungefähr seit dem Jahre 2001 auch in deutschen Foren zu finden. „Ana“ steht für Anorexie (Magersucht), „pro“ verdeutlicht das Bekenntnis zur Magersucht. Magersüchtige, die „Pro Ana“-Seiten aufsuchen, sind sich darüber bewusst, dass sie unter die Diagnose Anorexie fallen. Sie wollen aber nicht von ihrer Magersucht geheilt werden, sondern vielmehr noch dünner werden. Den magersüchtigen Körper verstehen sie als erstrebenswertes Schönheitsideal – eine lebensgefährliche Haltung.

Der Zugang zu diesen Internetseiten ist häufig nur mit einem Passwort möglich. Besonders strenge „Pro Ana“-Foren lassen Personen vor der Aufnahme in die Online-Community eine Art Bewerbungsverfahren durchlaufen, um unerwünschte Gäste zu vermeiden.

Magersucht wird auf „Pro Ana“-Seiten ähnlich einer Religion praktiziert. Auf „Pro Ana“-Seiten findet man beispielsweise zehn Gebote der Magersucht: „1. Wenn ich nicht dünn bin, bin ich nicht attraktiv. 2. Dünn sein ist wichtiger als gesund sein 3. Ich muss alles tun, um dünner auszusehen etc.“. Ebenso gibt es ein Glaubensbekenntnis, welches sehr deutlich das krankhafte Denken von Magersüchtigen zeigt („Ich glaube an eine Welt, die nur aus schwarz und weiß besteht, an den Verlust von Gewicht, das Vergeben von Sünden, die Ablehnung des Fleisches und an ein Leben voller Hunger“).

Die „Pro Ana“-Seiten werden auch genutzt, um Fotos von stark abgemagerten Schauspielern und anderen berühmten Personen zu zeigen. Teilweise laden die Magersüchtigen auch Fotos ihres eigenen Körpers hoch. Die an Magersucht erkrankten teilen ihre täglichen „Erfolge“ mit und berichten wie viel sie abgenommen und wie wenig Nahrung sie zu sich genommen haben. Das Zunehmen von Gewicht gilt als Versagen.

Entsprechende Internetseiten gibt es auch für Bulimie. Diese werden als „Pro-Mia“ bezeichnet. Bulimie ist, wie die Anorexie, eine Essstörung. Im Unterschied zur Anorexie leiden Menschen, die an Bulimie erkrankt sind, an Fress- und Brechattacken.

Problematik

Der anonyme Kontakt im Internet ermöglicht den Magersüchtigen, sich uneingeschränkt auszutauschen. Problematisch ist dabei, dass sich die Anorektiker durch andere Magersüchtige in ihrem Verhalten bestätigt fühlen. Die „Pro Ana“-Internetseiten werden von vielen besucht und genutzt. Schätzungen sprechen davon, dass 40 Prozent aller Jugendlichen mit Magersucht „Pro Ana“- Seiten besuchen. Der Austausch unter Gleichgesinnten erzeugt ein Wir-Gefühl und verstärkt die verzerrte Wahrnehmung der Realität. Die Anhänger der Bewegung fühlen sich als besondere Menschen, die stark genug sind, dem Hungergefühl zu widerstehen und ihren Körper zu kontrollieren. Es entsteht zudem ein starker Konkurrenzdruck unter den Anhängern. Jeder möchte noch dünner sein als die anderen und beweisen, wie willensstark er ist. Diese Aufrechterhaltung der Erkrankung hat schwere gesundheitliche Auswirkungen haben und kann tödliche sein.

Zudem erhalten Magersüchtige Informationen, wie sie die Krankheit vor ihren Eltern verheimlichen und noch schneller abnehmen können. Es werden auch Tipps gegeben, wie man Gewichtsmessungen beim Arzt verfälschen kann.

Schutzmaßnahmen

Seit 2006 prüft das von den Ländern 1997 gegründete jugendschutz.net „Pro Ana“-Seiten und ließ einige davon sperren. Es ist jedoch schwierig, das Angebot im Internet zu kontrollieren, auch weil immer wieder neue Seiten entstehen.

Inzwischen gibt es auch App-Versionen von „Pro Ana“ für das Handy. Der Austausch per Handy kann nicht kontrolliert werden. Magersüchtige können damit rund um die Uhr Kontakt halten. Der Druck nicht zu essen, der von den Anorektikern somit Tag und Nacht ausgeübt werden kann, erhöht die Lebensgefahr.

Es gab ausführliche Debatten darüber, ob „Pro Ana“-Internetseiten verboten werden sollten. Für das Verbot der „Pro Ana“-Seiten spricht die Gefahr, dass

  1. an Magersucht erkrankte Menschen durch die Inhalte dazu motiviert werden, die Essstörung aufrecht zu halten bzw. zu verschlimmern,
  2. die Seiten einen Schlankheitswettbewerb schaffen und ungesunde Methoden fördern, um Gewicht zu reduzieren,
  3. die Magersucht als ein positiver Lebensstil dargestellt und die Disziplin zu Hungern wie eine Religion verherrlicht wird.

Besucher der „Pro Ana“-Seiten haben dagegen argumentiert, dass sie das Recht haben, sich mit anderen auszutauschen, denen es ebenso ergeht, wie ihnen selbst.

Zweifellos benötigen Menschen, die der „Pro Ana“-Bewegung folgen, dringend psychologische und ärztliche Hilfe. Es ist jedoch nicht möglich, den Austausch der Mitglieder zu unterbinden. Es ist auch fraglich, ob ein Verbot den erwünschten Effekt bringen oder vielmehr der Bewegung noch einen stärkeren Reiz geben würde.

Quelle: http://www.netdoktor.de/krankheiten/magersucht/pro-ana/

Nach oben